Drittklassiges Schmierentheater

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"Aufsicht macht die Halle dicht!" so Manfred Becht vom Höchster Kreisblatt in seinem Artikel vom 06.03.2014. Und Manfred Becht hat natürlich auch den Schuldigen sofort parat: "Bauaufsicht des Main Taunus Kreises stellt Mängel fest, die eine Nutzung des Gebäudes unmöglich machen!"

Oha...das hört sich zunächst mal nach einer substantiell gravierenden Verschlechterung des Gesamtzustandes des "Hattersheimer Patienten Nr.1", der Stadthalle Hattersheim an.
Was, um alles in der Welt, ist da in den letzten Tagen geschehen, dass die Leiterin des Kreisbauamtes, Bettina Walz, unter Berufung auf die Verantwortlichen des Dezernats 38 des MTK, der Brandschutzbehörde, eine solch nachhaltige und drakonisch anmutende "Sperrverfügung" ausspricht !?!  

Was musste passiert sein, dass sich die Bürgermeisterin aus Hochheim genötigt sah, die Kinderkarnevalsveranstaltung kurzfristig aus der Stadthalle zu entfernen und in andere Räumlichkeiten zu verschieben?

Fragen über Fragen...denn wie kann innerhalb kürzester Zeit ein solch sicherheitskritischer Mangel entstehen, der zur vollständigen Nutzungssperre der Stadthalle führt?????
Da ist von teilweisem Ausfall der Sprinkleranlage die Rede und von einer nicht funktionierenden Fluchtwegebeleuchtung, die der Nutzung der Stadthalle aus brandschutzrechtlichen Gründen nun den Garaus machen.

Aber, wenn dem wirklich so ist....wie kann dann heute, am 30.03.2014, trotz ausgesprochener Nutzungssperre, die Pius Bruderschaft der katholischen Kirche die Stadthalle mit mehreren hundert Besuchern nutzen? Wie kann es sein, dass eine Religionsgemeinschaft die Stadthalle nutzen kann, während sie für Kinderveranstaltungen geschlossen bleibt?
Nach welchen Kriterien wird durch die Bürgermeisterin aus Hochheim und dem Bauamt des Main Taunus Kreises hier über die Vergabe einer aus brandschutztechnischen Gründen geschlossenen Stadthalle beschlossen?

Grund genug für Pro-Hattersheim, diesen mysteriösen Beschlüssen und Sperrverfügungen auf den Grund zu gehen. In einem kurzen Fragenkatalog an den Stadtbrandinspektor Tisold und seinen Vorgesetzten, Kreisbrandinspektor Beuthin wurde versucht etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Hier die Fragen an die beiden Brandinspektoren und die Damen und Herren des Dezernats 38 beim Main Taunus Kreis:

1) Welcher Teil der Sprinkleranlage ist hier ausgefallen?
2) War dies bei der jährlichen Begehung der städtischen Liegenschaften durch den Stadtbrandinspektor nicht aufgefallen oder handelt es sich hier um ein akutes und kurzfristig eingetretenes Problem?
3) Ist die Aussage richtig, wonach es keine USV für die Sprinkleranlage (USV für die Reservoirpumpe)  gibt und diese Tatsache bereits bei der letzten Überprüfung durch einen VDS zertifizierten Gutachter festgestellt und im Mängelbericht festgehalten wurde?
4) Wann war die letzte Abnahme der Sprinkleranlage durch einen VDS zertifizierten Gutachter

5) Ist es richtig, dass die Fluchtwegebeleuchtung über eigenstromversorgte (NICD oder NIMH) Notleuchten nach DIN EN 50172/VDE 0711-2-22 Leuchten handelt?
6) Wenn ja, wann wurden die Akkus der Leuchten letztmalig ausgetauscht?

7) Die Kinderkarnevalsveranstaltung des HCC wurde mit der Begründung der Sperrverfügung des MTK kurzfristig in andere Räumlichkeiten ausgelagert. Liegt der Grund für diese kurzfristige Veränderung in den unter 1-6 beschriebenen brandschutztechnischen Mängeln?

8) Für den 30.03.2014 liegt eine Einladung der Pius-Bruderschaft in die Stadthalle Hattersheim vor. Hierzu werden, wie in den Vorjahren auch (2009 ca 400 Mitglieder der Pius Bruderschaft) mehrere hundert Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet in der Stadthalle erwartet.  Wie ist diese Veranstaltung mit der Nutzungssperrverfügung des Main Taunus Kreises in Verbindung zu bringen? 

Soweit die Fragen an den zuständigen SBI und KBI. Doch wer glaubt, dass man seitens des Stadtbrandinspektors oder des Kreisbrandinspektors Antworten auf diese, zumeist technisch sachlichen Fragen erhält sieht sich gründlich getäuscht. Von SBI Tisold erhielten wir gar keine Antwort, von KBI Beuthin kam lediglich folgender Hinweis:

"Sehr geehrte Damen und Herren,
wir müssen Sie leider darum bitten, sich für weitere Informationen zum Vorgang "Stadthalle Hattersheim", mit dem Betreiber bzw. Eigentümer der Versammlungsstätte in Verbindung zu setzen."

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag
Dipl.-Ing. (DH) Kai Beuthien
Sachverständiger für den Vorbeugenden Brandschutz in Hessen

Kreisbrandinspektor
Main-Taunus-Kreis, Der Kreisausschuss
Amt für Brandschutz und Rettungswesen
Katharina-Kemmler-Straße 1
65719 Hofheim
Tel: 06192/9918350
Fax: 06192/9918391

Nun, das dies keine Beantwortung unserer Fragen darstellt ist offensichtlich -.einizig bemerkenswert erscheint hier die Formulierung "Vorgang Stadthalle Hattersheim" die man sicher nicht nur einfach mal so gewählt hat.

Doch wie es der Zufall manchmal so will bekommt man dann die notwendigen informationen dann aus völlig anderer Ecke - und diese Informationen haben es wirklich in sich:

1) Fakt ist, dass die Sperrverfügung für die Nutzung der Stadthalle durch die Bauaufsicht des MTK mit der "immer noch fehlenden Notstromversorgung der Sprinkleranlage" begründet wird. Diese Notstromversorgung wird dann benötigt, wenn im Brandfalle die hausinterne Stromversorgung über den 10 KV Transformator im Keller der Stadthalle abgeschaltet wird und dadurch dann keine Pumpen für den Betrieb der Sprinkleranlage zur Verfügung stehen. 

2) Faktum ist auch, dass dieser Sicherheitsmangel durch den TÜV seit Jahren testiert ist und dies der zuständigen Ersten Stadträtin Karin Schnick seit Jahren vorliegt, ohne dass hier etwas zur Mängelbeseitigung unternommen wurde.

3) Fakt ist ebenso, dass erst jetzt in Zusammenarbeit mit der SÜWAG über eine Parallelzuführung einer Niederspannungsversorgung die Verfügbarkeit der Sprinkleranlage sicher gestellt  und somit das vom TÜV seit Jahren bemängelte Sicherheitsrisiko abgestellt werden könnte, wenn man denn diese Abhilfemaßnahme durch die Erste Stadträtin auch bestellen würde! Dies ist aber bis heute noch nicht geschehen!   

4) Fakt is aber auch, dass die angeblich ausgefallene Fluchtwegebeleuchtung nur einzelne Lampen betrifft, bei denen der zyklische Austausch der Akkus aus Kostengründen nicht vorgenommen wurde

Soviel also zu den ganz realen Mängeln der Stadthalle - doch was machen Köster und Schnick daraus: eine ganz miese Vorstellung eines drittklassigen Schmierentheaters. Dabei schrecken die beiden Damen der Magistratsspitze auch nicht davor zurück, die Bevölkerung über die Presse zu belügen und in irgendwelchen gestellten Nacht und Nebelaktionen den Hattersheimer Kindern den Karneval zu vermiesen - Hauptsache, der verlogene politische Kurs wird aufrecht erhalten und der eigenen Zweckargumenation unterworfen.

Klar, dass Stadtbrandinspektor Tisold, als Profi der Brandschutztechnik  aber eben auch als städtischer Angestellter hier keine Aussage machen möchte - denn das hätte sicher unmittelbare Konsequenzen durch seine Dienstherrin zur Folge.

Bleibt aber die Feststellung, dass man den Aussagen der Rathausspitze in punto Stadthalle ganz sicher keinen Glauben schenken darf...denn wer Antje Köster oder Karin Schnick in dieser Hinsicht noch irgendetwas glaubt, der muss auch glauben, dass Zitronenfalter Zitronen falten können! 

 

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