Minusgeschäfte und Fehlkalkulationen

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Mit dem GAL-Prinzip (Geld Anderer Leute)  lässts sich bequem wirtschaften, wie sich in Hattersheim immer wieder zeigt. 

"Fehlkalkulation" heißt es heute im Höchster Kreisblatt, angesichts der Partnerschaft mit der Firma Kuraray: Für 7500 Euro jährlich bekommen 300 Mitarbeiter und ihre Famlien freien Eintritt ins Hattersheimer Freibad. Das Kreisblatt rechnet vor: Hier droht der Stadt ein Minusgeschäft.

Wir Hattersheimer sind hart im Nehmen und haben uns an regelmäßige Fehlkalkulationen bereits gewöhnt. Stichwort: Schnick-Brick. Für eine knappe halbe Million Euro entsteht gerade eine Fußgängerbrück am Mühlenquartier. Man ist geneigt zu lächeln, wenns nicht so traurig wäre.

Es scheint, als würden die Taschenrechner in der Stadtverwaltung nach ganz besonderen und bislang unbekannten mathematischen Grundsätzen arbeiten.

Schnick-Brick und Schwimmbad-Karten sind aber längst nicht die einzigen  Minusgeschäfte, die uns  in Hattersheim bevorstehen.

Noch weit aus größere Fehlkalkulationen stehen zu befürchten, die sich für Hattersheim als endgültiger wirtschaflticher Todesstoß erweisen könnten.

In Zeiten leerer Kassen und notwendiger dramatischer EInsparungen verschenkt die Bürgermeisterin aus Hochheim nicht nur Freibadkarten, sondern vor allem unsere städtischen Liegenschaften, die mit einem nicht kalkulierten finanziellen Risiko verscherbelt werden sollen, um ein Millionenprojekt für die Stadtverwaltung legitimieren zu können.

Auf Pro-Hattersheim wurde es bereits durchgerechnet:

Allein der Verkauf der Stadthalle birgt große Risiken, die Kosten für die Abbrucharbeiten der Halle, die von der Stadt zu finanzieren wären, würden den Erlös für das Gelände schnell übersteigen. Also auch hier droht ein Minusgeschäft.
Die Folgen des Verkaufs für die umgebenden Strukturen sind auch noch nicht kalkuliert.
Hier handelt es sich also nicht einmal um eine Fehlkalkulation, sondern allem Anschein nach um gar keine Kalkulation.
Mit dem Verkauf des Areals würden etwa die Parkplätze wegfallen: Wo parken dann die Sportler und die Besucher der Sporthalle? Wo parken die Freibadbesucher? Auch die nutzen zum Großteil den städtischen Parkplatz an der Stadthalle, da vor dem Freibad kaum Parkmöglichkeiten vorhanden sind, und gelangen über den kleinen Schwimmbadweg zum Bad. Aber viellleicht ist das ja doch letztlich alles nur Teil eines Plans, so dass aufgrund mangelnder Besucherzahlen im Schwimmbad dann doch das Bad geschlossen werden muss, oder kann.

Dass mit dem Verkauf der Halle natürlich auch das Aus für die kulturellen Veranstaltungen einhergehen würde, ist allen Beteiligten klar.

Wirklich dramatische Folgen aber hält die rot-grüne Regierung für uns HAttersheimer Bürger mit ihren Umzugsplänen in den Posthof und den Nassauer Hof bereit.  Trotz leerer Kassen würden wir Bürger hier für ein Millionenprojekt zur Kasse gebeten und würden gleichzeitig den Todesstoß für die Unternehmen rund um den Markt mitbezahlen.

Bisher hat die Stadt keine Berechnung vorgelegt, wie hoch die Kosten für den aufwendigen Um-und Anbau und die energetische Sanierung des Posthofes und Nassauer Hofes  wären. Es ist zu vermuten, dass hier gleich mehrere Millionen Euro fällig werden. Mehrere Millionen Euro, die niemand hat. Die auch niemand durch den Verkauf der frei werdenden Liegenschaften erwirtschaften wird. Kein Rathaus in Hattershein,kein Rathaus in Okriftel würde ein solch gigantisches Projekt gegenfinanzieren können. Also: eine fette Neuinvestition für ein Begehren, dass wirtschaftlich kaum riskanter sein könnte.

Wir erinnern uns: allein die energetische Sanierung eines einzigen überschaubaren Projekts, der Kita St. Martinus, sollte 1,3 Millionen Euro kosten. Dabei handelt es sich nicht etwa um mehrere, große Gebäude wie der Posthof und Nassauer Hof. Mit diesen  Kosten sollte auch kein zusätzlicher Anbau finanziert werden, wie es im Falle des Posthofs notwendig sein wird. Was hier also auf uns zukommt, wie teuer das rot-grüne Wunschkonzert für uns werden würde, scheint nebensächlich zu sein.
 Die einzige Aussage, die seitens unserer Bürgermeisterin aus Hochheim in Bezug auf Posthof/Nassauer Hof bisher öffentlich zu lesen war, beschränkt sich auf: "Wenn sie den Posthofkeller oder den Nassauer Hof besuche, werde ihr jedes Mal bewusst, dass Hattersheim eine attraktive Stadt sei." Da erscheint das Begehren verständlich, sich nun genau in den Gebäuden nieder zu lassen.

Ungeachtet der weiteren Folgen, die ein solches Projekt nach sich ziehen würde. Pro-Hattersheim hatte bereits einige Fragen aufgeworfen:

Wo sollen die MItarbeiter parken? Als einzige Möglichkeit - vor allem auch nach möglichem Verkauf des Stadthallengeländes- bleibt der Posthofparkplatz. Wo parken dann aber  die Kunden der Geschäfte, die sich am Markt angesiedelt haben? Restaurants, Reisebüro, Buchhandlung, Friseur, Bekleidung, Elektrofachhandel, Teegeschäft: Keine Kunden ohne Parkplatz - das ist keine neue ERkenntnis.

Wo bleiben die Unternehmen, die bereits im Nassauer Hof untergebracht sind? Das Aachener Unternehmen Carpus hat seit mehreren Jahren im Nassauer Hof eine Zweigstelle. Die müsste also gekündigt werden. Was wird mit der Gastronomie im Nassauer Hof? Auch wenn die HAwobau als Verpächterin sich wohl kaum um die finanziellen Angelegenheiten der Pacht gekümmert hatte und der letzte Pächter mit Mietschulden getürmt sein soll - muss dies nicht so sein. Bei entsprechender Ernsthaftigkeit, ist davon auszugehen, dass die Verpachtung einer solchen gewerblich genutzten Fläche tatsächlich auch Geld einbringt und nicht verbrennt.

Das Argument, dass die Gebäude ohnehin zu unterhalten wären und dadurch viel Geld verschlingen würden, ist nur vordergründig plausibel. Der Nassauer Hof ist Eigentum der Hawobau. Hier müsste die Stadt also Miete bezahlen. Vielleicht würde sie sich ja auch ohne Mietzahlungen bei der städtischen Tochter einquartieren. Dann würden eben die Bürger wieder für höhere Zuschüsse der Stadt an die Hawobau zur KAsse gebeten. Bleiben die Instandhaltungskosten des Posthofs. Jede Hausfrau weiß, dass sie nur soviel ausgeben sollte, wie der Sparstrumpf hergibt. Instandhaltungen müssen natürlich sein, aber die müssen auf das Notwendige beschränkt werden. Selbst wenn mit dem Geld anderer Leute gewirtschaftet wird, wie es hier der Fall ist.

Apropos Fehlkalkulation: Was war zu hören bei der ersten öffentlichen Sitzung des Arbeitskreises KHS: Philipp Neuhaus war es, der vorschlug,  die Stadtverordneten mit Ipads auszustatten - um Papierkosten zu sparen. Der Hattersheimer Bürger mag sich die Augen reiben. Ipads für alle - ein solch extravaganter Sparvorschlag ist wohl einzigartig in der Spargschichte der Kommunen.

Unterm Strich: Wie angekündigt sind die aufgekommenen "Sparvorschläge" in der Tat einschneidend und dramatisch.

Einschneidend werden sie wohl hauptsächlich für uns Bürger sein: 

- für die jungen Familien mit Kindern, die zum Beispiel höhere Kindergartengebühren zahlen sollen

- für die kleineren Vereine in Hattersheim, die kaum überlebensfähig sein werden

- für die Kleinunternehmer rund um den Markt, die ohne Parkplätze ihre Kunden verlieren werden und sich andere Standorte suchen müssen

- für die Sportler und Freibadbesucher, die ohne Parkmöglichkeiten nicht mehr zur Sporthalle und nicht mehr zum Freibad gelangen werden

Unverständlich ist, mit welcher Lässigkeit die Politik diese dramatischen Folgen in Kauf nimmt und damit gleichzeitig,  gegen wirtschafltiche Vernunft aber immerhin mit Ipad im Gepäck, den Weg für das Millionenprojekt Posthof-Nassauerhof einfädeln will.

 

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