Bürgerwerkstätten beendet

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Am Dienstag ist die letzte der drei Bürgerwerkstätten 2012  zu Ende gegangen.

Leider waren nur wenig Bürger der Einladung der Stadt gefolgt:  Lediglich rund 25 Bürger hatten in den verschiedenen Arbeitskreisen  ihre Ideen vorgetragen, wie die Stadt ihre Einnahmen verbessern könnte. 

 Zum Beispiel über die Stadthalle: Gleich in zwei Arbeitskreisen beschäftigten sich die Teilnehmer mit der Einnahmsituation der Halle.

Die wirft laut Auskunft der Verwaltung jährlich nur rund 3500 Euro ab.  Die Gebühren für die Anmietung liegen allerdings bei 1554 Euro für die komplette Halle. 1400 Euro werden fällig, wenn nur der Saal inklusive Foyer angemietet wird, und nur für das Foyer müssen 600 Euro bezahlt werden. Nach Informationen der Verwaltung wird die Halle an rund 100 Tagen im Jahr genutzt. Dass trotz 100-tägiger Nutzung aber nur 3500 Euro an Mieteinnahmen im ganzen Jahr anfallen, hängt mit der großzügigen Gebührenbefreiung für Vereine zusammen. So erhalten alle Hattersheimer Vereine die Halle auch nach der neuen Gebührensatzung kostenfrei.

Dies ist sicher für die Vereine im Ort ein willkommenes Angebot zB für Jahreskonzerte. Diese  Gebührenordnung führt aber auch dazu, dass selbst kommerzielle, kostenpflichtige Veranstaltungen, wie zum Beispiel die anstehenden Veranstaltungen mit Comedian Heinz Grönig oder Ingo Appelt, die immerhin Eintrittspreise zwischen 15 und 24 Euro verlangen, keine Nutzungsgebühr einbringen, da sie über das Kulturforum organisiert werden, dass als ausgelagerter Kulturbetrieb der Stadt in Form eines Vereins tätig ist.

Das mit einem solchen Gebührenkonzept die Halle niemals auch nur annähernd kostendeckend geführt werden kann, liegt auf der Hand. So muss das  Konzept dringend überarbeitet werden.

Mindestens jede kommerzielle Veranstaltung, jede kostenpflichtige Veranstaltung muss auch Gebühren (über die mittlerweile erhobene Reinigungspauschale) abwerfen. Es ist nicht einzusehen, dass kommerzielle Veranstalter den Gewinn über die Eintrittsgelder einfahren, während die Allgemeinheit in Hattersheim auf den Kosten sitzen bleibt. Das Ergebnis dieser Gebührenordnung ist bereits leider traurige Realität: Ohne nennenswerte Einnahmen wurde in der Vergangeneheit nicht mehr in die Halle investiert. Nun haben wir in Hattersheim eine Stadthalle, die einen derart hohen Sanierungsaufwand hat, dass er kaum rentabel erscheint. Angesichts der desolaten Finanzlage der Stadt ist aber auch kaum an einen Neubau zu denken.

Es kann kein Argument sein, dass man kommerziellen Veranstaltern,  wie bei Appelt und Co, auf Grund des schlechten Zustands der Halle, kein Geld für die Nutzung der Halle abverlangen könne  und sie nur per Gebührenbefreiung überhaupt nach Hattersheim holen kann. Wenn wir durch ständige Gebührenbefreiung kein Geld mehr für nötige Instandhaltungen der Halle haben und die Halle nicht mehr genutzt werden kann, werden wir niemanden mehr nach Hattersheim holen können - außer vielleicht für Open-Air-Veranstaltungen.

Ebenso wenig kann es im Sinne der Stadt, der Stadthalle und der  Bürger sein, den Vorschlag für eine neue Gebührenordnung abzuwürgen und ihn mit dem Hinweis auf den veralteten Zustand des Hauses im Keim zu ersticken, wie in der dritten Bürgerwerkstatt geschehen.

Die Entscheidung für oder gegen Sanierung oder Neubau ist ein politische Entscheidung und eine Frage der finanziellen Möglichkeiten. Aber ganz sicher nicht die Entscheidung eines Moderators der Bürgerwerkstätten.Hier hat der Moderator seine Aufgabe leider völlig missverstanden.

Gleich an mehreren Stellen des Abends hat sich in gezeigt, dass das Moderatorenteam der Aufgabe nicht vollständig gewachsen war. Und so hatte es manchem Bürger die Zornesröte ins Gesicht getrieben, als zum wiederholten Male konstruktive Vorschläge zur Einnahmenverbesserung vom Moderator abgebügelt wurde und den Bürgern so die Gelgenheit genommen wurde, ihre Ideen zur Diskussion zu stellen.

Vielleicht war es eben diese besondere Form der "Leitung" durch das Moderatorenteam, die letztlich dazu geführt hatte, dass die  Teilnehmerzahl der Bürgerwerkstätten mit jeder Veranstaltung deutlich zurück ging, Möglich ist aber auch, dass das sinkende Interesse der Bürger auf die jüngsten Veröffentlichungen in der Presse zurück zu führen sind. Der Hilferuf der Bürgermeisterin verhallt recht schnell, wenn gleichzeitig von einer angeblich  "guten Finanzlage" der Stadt zu lesen ist.

Trotz allem: Positiv ist, dass die Bürgerwerkstätten keine einmalige Veranstaltung sein sollen. Laut Ankündigung unserer Bürgermeisterin sollen auch künftig die Bürger ihre Gedanken und Ideen zur Haushaltskonsolidierung äußern können. Bleibt zu hoffen, dass dann eine Moderation gefunden wird, die ihrer Aufgabe gerecht wird, die die Bürger anspricht und sie zum Engagement motiviert.

 

Die genauen Ergebnisse der 3. Werkstatt sind wieder in der Fotodokumentation im Internet nachzulesen.

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Kommentare

Ja, seltsam war es schon, das Herr Strunk meine noch vorhandenen Vorschläge erst gar nicht mehr annehmen wollte sondern alles daran setzte, das Thema "Vermietung städtischer Räume und Gebäude" quasi schon per Zwang diskutieren wollte.

In diesem Kontext hatte ich natürlich die unerträgliche Situation für die Stadthalle und der kostenfreien Überlassung angeführt, was aber von Herrn Strunk sofort mit dem Kommentar abqualifiziert wurde: "diese Stadthalle ist nicht mehr State of the Art und kann deshalb nicht mehr vermietet werden!"

Wirft zunächst mal die Frage auf, woher Herr Strunk diese spontane Erleuchtung hatte (durch allzu viel Wissen hatte er sich in den vergangenen Werkstätten nicht gerade hervorgehoben) und auf welcher sachlichen Basis seine Spontanreaktion gründet. Nach all den bereits gemachten Erfahrungen mit Herrn Strunk erscheint es aber deutlich wahrscheinlicher, das das Briefing in dieser Frage seine Wirkung tat und er schlichtweg den simplen Auftrag hatte, diese Diskussion gar nicht erst aufkommen zu lassen.

Nun denn, sei es so: die 5 stelligen Kosten für diese, in vielen Ebenen recht mager ausgefallene, Form der Moderation hätte man sich wirklich sparen sollen; es wäre ein kleiner Ansatz zur Reduzierung des Defizits gewesen.

 

By JuergenHofmann