Rettung für unsere Stadthalle

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In 50 Punkten hat die rot-grüne Stadtregierung ihre EInsparvorschläge vorgelegt, mit denen die Stadt aus dem Bankrott herausgeführt werden soll.

Wir haben mal einen genaueren Blick auf die Vorschläge rund um die städtischen Liegenschaften geworfen und müssen feststellen: Vernünftige Gründe können wir für den Liegenschaften-Plan von Rot-Grün nicht erkennen.

 

Was ist der Plan?
 

 Stadthalle verkaufen, Rathaus Hattersheim und Rathaus Okriftel verkaufen und die Verwaltung im Posthof/Nassauer Hof zusammen führen. Dem Umzug in den Posthof/Nassauer Hof jedoch müsste ein Um-und Anbau vorausgehen, sowie eine energetische Sanierung, wie zu hören ist. Ein Millionen -Projekt - gegenfinanziert durch den Verkauf der Rathäuser, so hoffen die Rot-Grünen.

Der Reihe nach:

Die Stadthalle: Noch ist völlig unklar, wie es hier weiter gehen soll/kann. Wir haben durch unsere Baudezernentin gelernt, dass eine Sanierunge ebenso teuer sei, wie ein Neubau. Für beides ist derezeit kein Geld da. Nach Durchsicht der Magistratsvorlagen aber stellt sich die Frage: Wie teuer wäre tatsächlich eine Sanierung? Sicher, über Jahre und Jahrzehnte wurde das Gebäude vernachlässigt und gammelte so lange vor sich hin, bis sich die Halle nun im maroden Zustand zeigt. Doch alles Weitere steht in den Sternen: Wie hoch wäre der Erlös für das Areal, wie hoch tatsächlich die Abrisskosten. Was soll hier eigentlich entstehen. So viele Fragen, die ungeklärt sind.. Für die in nächster Zeit anstehenden Schutzschirmverhandlungen wird der rot-grüne Vorschlag  "Stadthalle" allein aus Zeitgründen   keine Rolle spielen können.

 

Wenden wir uns also dem Umzug der Verwaltung zu:

Die notwendigen Um-und Ausbauten und die energetische Sanierung soll mit dem Verkauf der Rathäuser gegenfinanziert werden. Gegenfinanziert heißt aber: hier geht es nicht um Gewinne, die in den Sparstrumpf gesteckt werden können.

Aber werden die Erlöse aus dem Verkauf der Häuser ausreichen, um ein solches Projekt stemmen zu können?
Gibt es Berechnungen, was ein solch aufwendiger Um-und Ausbau der denkmalgeschützten Gebäude kosten wird?
Wieviel Geld wird die Stadt dafür zusätzlich aufnehmen müssen?

Uns ist nicht bekannt, dass es bereits verlässliche Zahlen gibt, die diesen Plan überzeugend untermauern.

Bekannt sind dagegen die Folgen für die bisherigen Nutzer des Posthofs/Nassauer Hofs. Die Vereine müssten ebenfalls umziehen. Und zwar, nach Idee der Rot-Grünen: ins Werkstattgebäude.

Das bekäme die Stadt über die Zuwendung der FA Nestlé für 1 Million Euro saniert. Pläne, Berechnungen, wie teuer tatsächlich ein solcher Umbau sein würde, gibt es aber nicht. Also ist auch hier der finanzielle Ausgang noch völlig ungewiss. 

Das Ergebnis: Verkauf von mindestens zwei Liegenschaften, Investitionen in ungewisser Höhe.

Den finanziellen Nutzen verspricht sich die Stadt durch geringere Instandhaltungskosten, wenn die beiden Rathäuser veräußert und die Verwaltung nicht über mehrere Gebäude verteilt sind.

Ein gutes Argument. Aber ist für die Zusammenführung tatsächlich der umständliche rot-grüne Plan (Posthof/Nassauer Hof) denkbar?

Dass die Verwaltung effektiver arbeiten könnte und gleichzeitig Instandhaltungskosten einsparen könnte, wenn sie nicht über mehrere Häuser verteilt arbeiten würde, ist einleuchtend.

Auf ihrer eigenen Webseite listet die Stadt Büroflächen im Innovationspark Phillip Reis Straße auf: rund 1050 qm im Penka-Würfel. Außerdem gibt es ein weiteres Angebot: über nocheinmal knapp 1500 qm im Innovationspark und zwar zum Quadratmeterpreis von 12,50 Euro plus Mehrwertsteuer.

Das ergibt zusammen: rund 2500 qm Bürofläche für 446 250 Euro Miete (inklusive Mehrwertsteuer) im ganzen Jahr. Mit Verhandlungsgeschick könnte die Stadt vieleicht auch noch bessere Konditionen herausarbeiten.

Eine Menge Geld, die aber mit den Instandhaltungskosten für die städt. Verwaltungsstellen (2 Rathäuser und das Gebäude Untertorstraße) verglichen werden müssen. Der Haushaltsplan 2012 weist allein für das Rathaus Hattersheim für das Jahr 2013 242 700 Euro Instandhaltungskosten aus. Zahlen für die Instandhaltung/Unterhaltung der anderen Gebäude sind uns nicht bekannt. Aber auch die anderen Häuser werden Geld für die Instandhaltung kosten. 

Wir rechnen mal ganz einfach: Für ein Haus wird eine Viertel Million Euro Instandhaltungskosten angegeben, für drei Häuser werden es vielleicht insgesamt ene Halbe Million Euro sein? Sicher nicht weniger, sondern womöglich eher mehr, als die Einmietung in die Büroflächen im Innovationspark kosten würde.

Das wiederum hätte weitere positive Folgen:

Die Vereine könnten im Posthof/Nassauer Hof bleiben. Teure Um-und Anbauten wären nicht erforderlich. Kein finanzielles Risiko für ein solches Schnellschuss-Projekt.

Damit stünde auch das Werkstattgebäude für eine Kindertagesstätte zur Verfügung,  die die Stadt auf Grund des neuen Baugebiets errichten muss. Im Gegensatz zu allen anderen Plänen, gibt es hierfür bereits ein Gutachten, in dem die Kosten berechnet wurden. Wie bereits an mehreren Stellen dargelegt, würde sie diese Kita im Werkstattgebäude zum Nulltarif bekommen und müssten keine weiteren 2,5 Millionen für ein neues Gebäude ausgeben. Hier würde also tatsächlich Geld frei werden.....dass in den städtischen Sparstrumpf gesteckt werden könnte. Oder in die Sanierung der Stadthalle?

Außerdem würde der Verkauf der Rathäuser Geld einbringen, dass dann eben nicht zur "Gegenfinanzierung" bereit stehen könnte, sondern ebenfalls direkt der Stadtkasse zu Gute käme.

Könnte mit diesem Geld, plus der bereits eingeplanten Investitionen für einen Kita-Neubau die Stadthalle saniert werden? Berechnungen würden sich sicher lohnen und wären unverzichtbar, bevor städtisches Eigentum im Hauruckverfahren verscherbelt würde. Für ein Projekt mit höchst unsicherem finanziellen Ausgang, ein Projekt, bei dem die bankrotte Stadt viel Geld mitbringen muss und wohl an keiner Stelle einsparen wird.

 

Wir sind mehr als gespannt, wie die rot-grüne Koaltion ihre Pläne konkretisieren und verargumentieren wird. Und wir hoffen, dass unsere Politiker verantwortlich mit dem, ihnen treuhänderisch überlassenen städtischen Eigentum umgehen und nicht im Hauruck-Verfahren ein Projekt veranlassen, für das es aus heutiger Sicht keine überzeugenden Argumente, aber jede Menge Fragezeichen und Risiken gibt.

 

 

 

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Kommentare

Einfach hervorragend heraus gearbeitet, Buddy. Kompliment!

Dieser Vorschlag, die Stadtverwaltung im Posthof/Nassauer-Hof unterbringen zu wollen hat aber, außer den bereits beschriebenen Effekten auf den Stadtsäckel noch einen weiteren, nicht zu vernachlässigenden Seitenaspekt: die Parkplatzsituation und den Hattersheimer Markt.

Was würde passieren wenn diese Idee am Montag wirklich verabschiedet werden würde?
Nun, die vorhandenen und mittlerweile durch Stromtankstelle und für die Stadt reservierten Parkplätze müssten vollständig für die städtischen Angestellten als Parkplatz reserviert werden. Der Großparkplatz vor der Stadthalle stünde ja nicht mehr zur Verfügung und die Parkplatzsituation im Umfeld des Posthofes ist ja heute schon angespannt genug.

Fällt aber der Parkplatz am Markt komplett weg, dürfte es das Aus für alle dort angesiedelten Gewerbebetriebe bedeuten, denn wer nimmt schon einen längeren Fußweg in Kauf, nur um z.B. mal zum Italiener zu gehen und eine Pizza zu essen oder auch ganz einfach nur den Markt am Freitag zu besuchen?
Nein, das würde ganz sicher niemand auf sich nehmen und die Folge wäre ähnlich, wie in der Frankfurter Straße: das Aussterben der Innenstadt!

Keiner der dort ansässigen Gastronomiebetriebe, keiner der Gewerbetreibenden wird einen spürbaren Umsatzeinbruch durch die fehlenden Parkplätze verkraften können; die Folge wäre eine massive Abwanderung und damit verbunden eine weitere Reduzierung der Einnahmen aus Gewerbesteuer.

Das kann es definitiv nicht sein, und ich kann nur hoffen, das diesem ebenso unsinnigen wie unrealistischen Plan am Montag die rote Karte gezeigt wird.Nicht nur, das dieser Plan völlig unabschätzbare pekuniäre Risiken beinhaltet, nein, er ist auch aus städtebaulicher Sicht einfach nur falsch!

So wie bereits richtig erkannt, kann eine Lösung nur darin bestehen, in einem der Penka Würfel die notwendige Fläche für die Verwaltung anzumieten und diese Kosten aus dem Wegfall der Unterhaltungskosten für die Rathäuser gegen zu finanzieren.
Keine aufwändigen energetischen Sanierungen mit nicht abschätzbaren Kosten, keine Vertreibung der Vereine, keine negativen Einflüsse auf die Stadtentwicklung...all das wäre mit diesem Umzug garantiert.

By JuergenHofmann