Planspiele

DruckversionDruckversion

Alles nur reiner Zufall oder doch eher die gezielte Umsetzung von Ideen der städtischen Regierungskoalition?

Ja, man kann sich schon wundern, was an Meldungen derzeit so aus dem Rathaus kommt.
Jüngste Nachricht: Die Stadthalle nebst Gelände und das Jugendhaus werden auf der ExpoReal, der Messe für Gewerbeimmobilien in München durch Bürgermeisterin Köster zum Verkauf angeboten. So zumindest nach eigenem Bekunden, wenn man der Presse Glauben schenken darf.

Sicher, die Stadthalle ist ein defizitäres Objekt und belastet den Stadtsäckel jedes Jahr mit horrenden Summen. Ganze 3.500,- Euro Mieteinkünfte pro Jahr sind natürlich zu wenig, um ein solches Objekt am Leben zu erhalten. Den Rest zahlt eben der Bürger. Das diese wirtschaftliche Schieflage aber ein hausgemachtes Problem ist, hatte Pro-Hattersheim ja erst kürzlich anhand des Vergleiches mit anderen Kommunen des Kreises dargestellt und dabei aufgezeigt, das es nur in Hattersheim eine Stadthalle zum Nulltarif gibt.

Aber zurück zu den Zufällen: es ist doch geradezu eine göttliche Fügung, das die beiden verbliebenen Mitarbeiter des Jugendzentrums so gerade zur passenden Zeit gekündigt haben und damit das Jugendhaus geschlossen werden musste. Natürlich nur wegen Personalmangels, wie es die Sprecherin der Stadt formulierte. Das Höchster Kreisblatt beschreibt das Szenario so:
"Details dazu will die Stadt nicht bekanntgeben. Gab es Ärger, ist man im Bösen auseinander gegangen? Die Reaktion auf diese Fragen ist abweisend. "Ich wüsste nicht, dass das von irgendeiner Relevanz für die Berichterstattung zu diesem Thema wäre", sagt Sprecherin Ulrike Milas-Quirin gestern auf Anfrage des Höchster Kreisblatts. Eine Trennung in Freundschaft klingt irgendwie anders."

Nun, sicher gibt es solchen Duplizitäten der Ereignisse, auch wenn die Termingenauigkeit doch schon den einen oder anderen etwas nachdenklich werden lässt. 

Doch wo tagt zum Beispiel die Stadtverodnetenversammlung wenn die Stadthalle, wie von Antje Köster bereits verkündet, nach der Theatersaison im Frühjar geschlossen wird?
Alles kein Problem, denn in Hattersheim kommt dann ganz schnell wieder der Zufall ins Spiel und hält dann so nette Überraschungen wie die Rückabwicklung der Verwaltung des Hauses der Vereine in Okriftel bereit. Über Jahre hatte der Vereinsring Okriftel sich um die Verwaltung  des Hauses gekümmert, bis dann im Juni die Rückübertragung an die Stadtverwaltung erfolgte. Das Höchster Kreisblatt schreibt hierzu:
"Wolfgang Deul, der als Vorsitzender des Vereinsrings Okriftel damals schon den Vertrag mit der Stadt unterzeichnete, bestätigt gegenüber dem Kreisblatt die Information, dass das Vereinshaus wieder in die direkte Obhut des Rathauses gekommen ist. Wie es aber dazu kam, dazu sagt er nicht viel. Die Arbeit, die mit der Verwaltung des Gebäudes verbunden war, sei nicht das Problem gewesen. Auch nicht der Ärger, den man etwa mit Beschädigungen hatte.
Es sei einiges am Vereinsring vorbei gelaufen, hält sich Deul schon sehr bedeckt. "Ich hätte alles gelassen, wie es war", lässt er durchblicken, dass von ihm jedenfalls die Initiative nicht ausgegangen ist. "Wir bedauern das schon." Konkreter wird Deul nicht."

Also...alles gelöst. Jetzt kann man nach Herzenslust verkaufen was das Zeug hält. Und wozu im Vorfeld erst mal die Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung dafür einholen? Reine Zeitverschwendung, die rot-grüne Mehrheit wirds schon richten. 
Politische Diskussion? Interessenabwägung? Alles Luxus, hier wird einfach gehandelt!

Doch wozu das Alles? Geht es wirklich nur darum, einen Kostenfaktor los zu werden und evtl dafür ein paar Euro zu erhalten?
Sollen durch den Verkauf und dem Abriss der Stadthalle Einkünfte für den leeren Stadtsäckel erzeugt werden?
Wenn dem so wäre, müsste man sich zunächst mal Gedanken machen, was denn als Erlös überhaupt erreichbar wäre.
Es ist kaum wahrscheinlich, das der Käufer die Stadthalle und das Jugendhaus zu eigenen Lasten abreissen wird. Somit gehen dann diese Kosten unmittelbar gegen den Erlös. Was aber, wenn, wie zum Errichtungszeitpunkt der Stadthalle üblich, reichlich Asbest zum Brandschutz verbaut worden wäre?
Asbest zu entsorgen ist eine der teuersten Entsorgungsformen überhaupt, was also bliebe an Erlös nach dem Verkauf hängen?

Aber vielleicht gehts ja gar nicht um das Erzielen von Erlösen. Vielleicht geht es ja einfach nur um die Renaissance eines langjährigen Planes, der für ein paar Jahre in der Schublade verschwunden war und der jetzt wieder aus dem Hut gezaubert werden soll:

dem Baugebiet Nord-Ost

Dieses Baugebiet ist damals an den Einsprüchen vieler Bürger gescheitert und eben an der Tatsache, das die notwendigen Anbindungen dieses Gebietes nicht möglich waren. Denn um eine angepasst ausgebaute Straße zu diesem Gebiet zu führen steht einfach ein Objekt im Weg: die Stadthalle!
Aber nicht nur die Stadthalle, auch die Sportplätze...und natürlich das Schwimmbad. Tja, und so schließt sich dann der Kreis der Zufälle...denn es kann ja nur ein Zufall gewesen sein, das der Prüfungsantrag der SPD zum Hattersheimer Schwimmbad nicht nur die vollständige Schließung beinhaltete sondern eben auch die "Reduzierung auf ein Bad für Babys und Kleinkinder" Und die dann fällig werdenden 180.000,- €,  die Erste Stadträtin Karin Schnick dann für die Umrüstung der Umwälzanlage braucht lassen sich dann ganz sicher vom Investor des Baugebietes einfordern. Ebenso wie die Kosten für die passend ausgebaute Straße. 

Wie ist im Entwurf des regionalen Flächennutzungsplanes aus dem Jahr 2007 nachzulesen: "Von der Stadt Frankfurt ist zur Verbesserung der verkehrlichen Situation sowie zur Anbindung geplanter Baugebiete im Bereich der B 40/L 3265 Anschlussstelle Sindlingen eine Änderung bzw. Ergänzung der Straßenführung geplant. Dies geschieht im Einvernehmen mit der Stadt Hattersheim, die in diesem Bereich die verkehrliche Erschließung des Gewerbegebietes Ost und des Baugebietes Nordost vorsieht."

Fazit: Planspiele, sicher! Aber eben auch Planspiele wie sie seit Jahren in den Schubladen in der Ratshausstraße liegen. Und schaun wir einfach mal...mal sehen welcher Zufall plötzlich wieder zuschlägt....und vor allem welchen Namen er trägt!

 

tweetbutton: